Hallo TT-Fans,

diese Weltmeisterschaften in Paris können durchaus in die Geschichte unserer Sportart eingehen. Schon vor Beginn der Titelkämpfe, diesmal ja nur in den fünf Individual-Konkurrenzen, waren über 70 000 Tickets verkauft. Das bedeutet natürlich sogenannte "chinesische Verhältnisse", die zu erwartende Stimmung wird also für die europäischen Fans und auch für uns Spieler schlicht und einfach klasse sein.

Insgesamt 710 Aktive (416 Herren und 294 Damen) aus 116 Ländern haben ihre Meldung abgeben, und das stimmt mich erst einmal auch für die weitere Entwicklung des Tischtennissports mehr als optimistisch.

Ja, und einer von den 710 bin ich, Jörg Roßkopf. Und wie jeder der Teilnehmer habe ich selbstverständlich meine eigenen Gedanken und Erwartungen. Bei dieser WM gehöre ich ja sozusagen zum alten Eisen, wenn die Statistiker meine mittlerweile elfte Teilnahme richtig verzeichnen. 1985 in Göteborg ging es los, da war ich noch 15 Jahre alt, und habe die damaligen Könner mit Ehrfurcht studiert. Und nur vier Jahre später stand ich auf einmal selbst auf dem Thron. Das war natürlich eine Glanzstunde meiner Laufbahn.

Vor Paris bin ich in den letzten Wochen und Monaten oft auf die WM 1989 in Dortmund angesprochen worden , und ich sage es ehrlich - da läuft es mir noch immer eiskalt die Schulter runter. Der WM-Titel im Doppel mit meinem alten Freund Steffen "Speedy" Fetzner kam ja eigentlich völlig unerwartet. Wir beide freuen uns noch heute darüber, aber vielleicht war es viel wichtiger, dass wir damit über Jahre hinweg in Deutschland einen gewissen Tischtennis-Boom ausgelöst haben.

Jetzt, im Palais Omnisport in Paris-Bercy, ist ja diesbezüglich auch wieder eine große Chance da, wenn ich nur an meinen Vereinskameraden aus Gönnern, den Weltranglisten-Ersten Timo Boll, denke.Er gehört in die erste Reihe der Medaillenkandidaten, ich anderseits nicht unbedingt. Das sage ich Euch ganz wertfrei. Ich bin aber ein großer Kämpfer. Mit Silber im Team und Bronze im Einzel bei den EM in Courmayeur vor gut sechs Wochen habe ich nach der endlos langen verletzungsbedingten Pause gezeigt, dass ich noch mit der Spitze unseres Kontinents mithalten kann. Nun haben wir aber Weltmeisterschaften, mit den Topstars aus Asien, und das wird alles ungleich schwerer.

Ihr könnt keine Wunderdinge von mir erwarten. Ich werde alles geben, hoffe als Nahziel darauf, dass ich wie 2001 in Osaka im Einzel und Doppel unter die besten 16 komme. Das wäre schon was, denn vor drei, vier Monaten habe überhaupt nicht daran geglaubt, dass ich bis zu dieser WM wieder fit bin.

So, das wäre es erst einmal zur Einstimmung. Es gibt noch viel aus meiner Sicht zu sagen, aber wir haben ja auch schon morgen mein nächstes kleines WM-Tagebuch. Und, das verspreche ich Euch, es wird nichts ausgespart. Gibt es eine Modifizierung der Aufschlagregel, spielen wir die nächste Saison wieder bis 21 oder bekommt Bremen die WM 2006 - meine persönliche Sicht dazu - hier auf der JOOLA-Website ...

Euer